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Der Traum vom eigenen Weingut
Culture & Life

Der Traum vom eigenen Weingut

2 min. 28.11.2013 From our online archive
Sie hatten sichere Jobs in Luxemburg. Alles war schön. Doch Nicholas und Colleen Harbour hatten einen Traum: ein eigenes Weingut im Burgund.

Sie haben ein gutes Leben. Nicholas und Colleen Harbour arbeiten in Luxemburg in der Finanzbranche. Doch etwas lässt sie nicht los: der Burgund. Nicht nur, weil es für sie eine der schönsten Gegenden der Welt ist.

Nicholas und Colleen sind ein Paar, seit sie sich vor 13 Jahren kennenlernten. Sie waren Schüler an der Internationalen Schule in Luxemburg. Nur für das Studium waren sie getrennt. Er ging in die USA, wo er gebürtig herkommt, sie ging nach Kanada. 2008 kehrten beiden nach Luxemburg zurück und traten ihre Stellen an.

An Wochenenden oder auch im Urlaub besuchen sie oft die Weingebiete im Burgund, wo die Eltern von Nicholas ein Ferienhaus haben. Nach und nach lernen sie mehr über die Weinproduktion. Irgendwann kommt ihnen der Gedanke, ob sie sich nicht viel intensiver damit beschäftigen könnten.

Nicholas sagt: „Wir erkannten beide zur gleichen Zeit, dass unsere Jobs in der Finanzindustrie nicht wirklich das waren, was wir für den Rest unseres Lebens machen wollten. Was uns schon damals faszinierte, war der Wein und die Art und Weise, wie er die Menschen miteinander verbindet.“ Vor zwei Jahren nimmt der Traum gestalt an: ein eigenes Weingut im Burgund.

„Alle unsere Freunde dachten, dass wir verrückt sind“, sagt Nicholas. „Luxemburg ist ein wirklich toller Ort zum Leben. Aber wir waren der Ansicht, dass man gerade, wenn man in einer komfortablen Situation ist, die Dinge reflektieren muss und sich fragen sollte, was wirklich wichtig ist."

Colleen ergänzt: „Wir sagten uns: 'Wenn wir das jetzt nicht versuchen, werden wir immer zurückblicken und uns fragen, wie es gewesen wäre.“ Das Paar wagt den Schritt nach vorn, besucht Kurse über die Weinproduktion am renommierten 129 Jahre alten Weinausbildungsinstitut Lycée Viticole im burgundischen Beaune. Dann kaufen sie eine alte Weinkellerei in Savingy-lès-Beaunes und renovieren sie.

Seit 18 Monaten leben und arbeiten die beiden nun bereits in ihrer Weinkellerei Maison Harbour. Vergangenen Monat produzierten sie aus Trauben örtlicher Weingebiete ihre ersten Weine: Zwei Premier Cru Chardonnays aus Chassagne-Montrachet, einen Premier Cru und einen Pinot Noir aus Gevrey-Chambertin. 3600 Flaschen insgesamt.

Ganz ohne Herausforderungen ging es jedoch nicht: lange Tage, körperliche Arbeit und die Probleme, welche die Freiberuflichkeit mit sich bringen. Colleen sagt: „Wir sind sehr glücklich, aber ich glaube, viele Leute haben ein falsches Bild von unserem Beruf.“ 

Die letzten Zweifel verschwanden dann, als der fertig produzierte Wein im Keller lag und die Leute aus dem Dorf vorbeikamen, um ihn zu probieren. „In diesem Moment wussten wir: 'Das ist nun unser Leben und es ist großartig!'“, sagt Nicholas.

Das Paar plant, seine Weine europaweit und in Nordamerika zu vertreiben. Die Produktion wollen sie über die kommenden fünf Jahre schrittweise verfünffachen, aber nicht ohne die Details aus den Augen zu verlieren.

Die Harbours planen weit voraus mit ihrem Weingut. Es soll Generationen überdauern. Wer weiß. Vielleicht sitzen ja wirklich irgendwann ihre Ur-Ur-Ur-Enkel in dem alten Haus und stoßen auf Nicholas und Colleen an. Vielleicht mit dem ersten Jahrgang des Gutes. 2015 geht er in den Verkauf. 

Die Website des Weinguts Harbour: www.maisonharbour.com